Aktuelles aus Belarus
Herbst in Grodno Belarus Weißrussland

Der Herbst in Weißrussland ist in diesem Jahr wunderbar, er erfreut uns mit warmen Sonnentagen und verzaubert mit dem Schimmern goldenen und karminroten Laubs. Ich möchte diese Schönheit immer mit jemand anderem teilen. Und auch wenn diese Saison mit weniger Touristen als sonst verging, sind wir froh, dass die Verbindung zu Belarus in der Welt nicht abgerissen ist.

Das spüren wir jetzt, wenn wir Anfragen nach Informationen über Vorfahren erhalten, die einst auf weißrussischem Gebiet lebten, aber irgendwann ausgewandert sind. Es ist sehr erfreulich, wenn wir genealogische Anfragen erhalten, bei denen wir die Absicht unserer Kunden erkennen, ihre historische Heimat in der Zukunft zu besuchen. Es ist immer wieder faszinierend: wenn man etwas Neues über seine Familie erfährt, wird der Wunsch, dem vor Ort nachzuspüren, nur noch stärker. Und wir alle freuen uns auf den günstigen Moment, in dem dies wieder einfacher möglich sein wird.

In der Zwischenzeit führte mich meine Forschungsarbeit für eine Woche in die schöne Stadt Grodno, an der Grenze zu Litauen und Polen, wo sich eines der beiden historischen Archive von Belarus befindet. Ich arbeitete dort vor allem an einer herausfordernden Ahnenforschungsanfrage eines unserer Kunden aus Denver in den USA.

Da die Arbeit in den Archiven fast meine gesamte Zeit in Anspruch nahm, beschloss ich, einen weiteren Tag in Grodno zu verbringen, um die schönen Herbstansichten einzufangen und ein kurzes Video über die Stadt zu drehen. Dabei half Valentina, seit vielen Jahren unsere Stadtführerin für Grodno und den Westen des Landes.

Wir gingen die Fußgängerzone entlang, besuchten das ehemalige jüdische Viertel, und besichtigten das alte und das neue Schloss. Jetzt sitzen wir an der Bearbeitung des Videos und hoffen, dass die Besucher unserer Website das Video bald sehen können.

In der Zwischenzeit wünschen wir allen schöne Herbsttage! Und, hoffentlich, bis bald!
Sveta

28/10/2021
Blick auf den See Brelarus Weißrussland

Ahnenforschung ist immer eine Reise ins Ungewisse. Wir alle wissen, dass wir Vorfahren haben, wir wissen vielleicht sogar genau oder ungefähr, woher sie kommen, aber wir können uns nicht wirklich vorstellen was genau bei einer Ahnenforschung als Ergebnis zu erwarten ist. Für viele ist diese Ungewissheit beängstigend und hält sie am Anfang von Nachforschungen ab. Auch wir, die direkt an der Suche Beteiligten, wissen nicht immer, was das Ergebnis unserer Arbeit sein wird.

Aber heute möchten wir Ihnen die Geschichte einer erfolgreichen Suche erzählen, die vielleicht auch Sie inspiriert.

Die Geographie der genealogischen Nachforschungen ist sehr weitläufig, an uns wenden sich, ohne Übertreibung, Menschen aus der ganzen Welt. So erhielten wir an einem Februartag eine Anfrage aus Kanada, von Scarlett.
Scarlett wollte Informationen über die Familie ihres Großvaters finden, der in jungen Jahren nach Kanada ausgewandert war. Und obwohl ihr Großvater es geschafft hatte, seine Familie in den 1970er Jahren zu besuchen, hatte Scarlett nicht viele konkrete Informationen, an denen sie sich festhalten konnte. Die wichtigsten waren das genaue Datum und der ungefähre Ort von Großvaters Geburt, das Dorf Mihalki oder einige der umliegenden Dörfer. Unser Genealogie-Experte Alexander ermittelte, zu welcher orthodoxen Gemeinde Mihalki und andere umliegende Dörfer gehörten. Glücklicherweise wurden die metrischen Bücher (Geburtenregistrierungsbücher) für den benötigten Zeitraum in dieser Gemeinde während der Kriege nicht zerstört und wurden im Historischen Archiv in Grodno aufbewahrt. Deshalb brachte unsere Anfrage an das Archiv das erste Ergebnis: das Geburtsregister des Großvaters. Solche Aufzeichnungen enthalten einen Hinweis auf den Wohnort der Eltern des Neugeborenen, sowie die Namen der Eltern und Paten.


Eine kleine Abschweifung:

Ostslawische Namen bestehen aus 3 Teilen: dem Familiennamen, dem Vornamen und dem Vatersnamen. Das Patronym gibt den Namen des Vaters an, der in einer bestimmten grammatikalischen Form verwendet wird.

Wenn man also den vollständigen Namen einer Person kennt, kann man sagen, wie der Vater jeweils hieß.

Diese Besonderheit der Namen ist bei der Ahnenforschung sehr hilfreich.


Wir hatten nun also den genauen Geburtsort, es stellte sich heraus, dass es das Dorf Mihalki selbst war; die Namen der Eltern und die Namen der Väter der Eltern, d.h. der Großväter des Neugeborenen.

Unsere Aufgabe war es nun, Informationen über die vermeintlichen Geschwister von Scarletts Großvater zu finden. Wir hatten keine genauen Namen, nur die ins Englisch gebrachte Version des Namens der Schwester, auch keine Geburtsdaten. In solchen Fällen ist es natürlich logisch, eine Anfrage an die Archive zu stellen, um alle verfügbaren Matrikelbücher der nächsten Jahre nach weiteren Geburtseinträgen von Kindern derselben Eltern zu durchsuchen. Dies ist ein langwieriger und zeitraubender Prozess. In unserem Fall war es aber nicht notwendig.

Denn während der Arbeit an dieser Anfrage fand unser Ahnenforscher Alexander im Internet ein Erinnerungsbuch, geschrieben von ehemaligen Bewohnern des Dorfes Mikhalki über ihre Vorfahren und andere Bewohner des Dorfes. Es gab keine Erwähnung von Scarletts Großvater in dem Buch, aber viele andere Personen mit demselben Nachnamen wurden beschrieben. Ob wir unter ihnen Brüder oder Schwestern finden würden, war allerdings nicht zu ermitteln.

Das bereits erwähnte Merkmal slawischer Namen, nämlich das „Patronym“, kam uns zur Hilfe.

Unter allen Dorfbewohnern, die im Buch mit dem Nachnamen erwähnt wurden, fanden wir einen, dessen Patronym mit dem von Scarletts Großvater übereinstimmte. Auch das Geburtsjahr dieses Michalok-Bewohners stimmte überein. Da war noch etwas, im Buch stand, dass er eine Schwester hatte. Der Name der Schwester stimmte nicht mit dem Namen überein, den Scarlett uns gab. Aber im Weißrussischen, wie auch im Russischen, gibt es in der Alltagssprache die Eigenart, Namen abzukürzen. So stimmte eine der möglichen Abkürzungen des Namens der im Buch erwähnten Schwester durchaus mit dem englischen Namen überein, den Scarlett uns nannte. Das Puzzle schien zusammenzupassen, aber wir konnten nicht behaupten, dass die im Buch beschriebene Person zu 100 % der Bruder von Scarletts Großvater war. Um unsere Vermutungen zu bestätigen, baten wir das Archiv um einen Geburtseintrag für den angeblichen Bruder. Als wir das Archivprotokoll erhielten, atmeten wir erleichtert auf, die Namen der Eltern und sogar der Paten im Geburtsprotokoll von Scarletts Großvater und im Geburtsprotokoll des angeblichen Bruders stimmten vollständig überein. Hurra!

Nun galt es noch, die Kontakte von Scarletts lebenden Verwandten zu finden, und wir erfuhren, dass sie aus demselben Buch stammten.
Nun war es an der Zeit, die Autoren des Buches zu kontaktieren. Es sollte noch erwähnt werden, dass Vera Ivanovna Yudchits (Zakharova), die Autorin des Buches, und ihre Schwester, Maria Ivanovna Yudchits, neben dem Buch auch ein Familienmuseum im Haus ihres Großvaters im Dorf Mikhalki geschaffen haben. Jetzt ist das Museum ein Treffpunkt für Verwandte und Landsleute.

Wir riefen Maria Iwanowna an, und noch am selben Abend hatten wir die Telefonnummer des Cousins zweiten Grades von Scarlett, der mit seiner Frau in Brest lebt.

Ein paar Tage später fand die erste Skype-Konferenz zwischen Verwandten aus Kanada und Belarus statt.

Wir hoffen, dass ihre Kommunikation weitergehen wird. Schließlich gibt es noch viele Fragen, auf die Scarlett gerne Antworten finden würde. Ich würde mir auch sehr wünschen, dass Scarlett mit ihrer Familie eines Tages die Geburtsorte ihres Großvaters besucht, das Familienmuseum im Dorf Mikhalki besichtigt.

Abschließend möchte ich mich bei Scarlett bedanken, dass sie uns ihr Vertrauen geschenkt hat, um Informationen über die Familie ihres Großvaters zu finden. Und auch unseren Dank an Vera und Maria Yudchits aussprechen, dass sie die Erinnerung an ihre Vorfahren wachhalten, ein Buch über die Bewohner des Dorfes Mikhalki geschrieben haben und damit, für sie selbst unerwartet, Scarlett geholfen haben, ihre Verwandten zu finden.

06/07/2021
verlassenes Dorf Belarus Weißrussland

Wir bei g4 tours arbeiten mit großer Leidenschaft und gehen jede Anfrage, die an uns herangetragen wird, so individuell und verantwortungsbewusst wie möglich an. Wir vermissen unsere Belarus-Reisenden sehr, erinnern uns mit Nostalgie an diejenigen, die uns bereits besucht haben, und wir warten sehnlichst auf das Ende der Pandemie, wenn wir wieder neue Gäste begrüßen können. Reisende hier bei uns willkommen zu heißen bietet nicht nur Gelegenheit unser Land zu zeigen, sondern ist gleichzeitig wichtig für den interkulturellen Austausch und die Schaffung von gegenseitigem Verständnis. Dieser Mangel an echter Live-Kommunikation ist heute, in dieser für alle schwierigen Zeit, mehr denn je spürbar.

Es war der Drang, etwas aus dieser Situation zu machen und etwas Sinnvolles zu tun, der uns veranlasste, neben unseren klassischen Reisen einem anderen Service, den wir den Besuchern unserer Website anbieten, mehr Aufmerksamkeit zu schenken – der Ahnenforschung. Wir begannen, die Zusammenarbeit mit einer Reihe von Ahnenforschern und Organisationen auf diesem Gebiet auszubauen, mit einem Fokus auf Belarus aber auch auf die Ukraine und das Baltikum. Gleichzeitig bewarben wir diese Dienstleistung aktiver auf unserer Website. Wir hatten allerdings nicht erwartet, dass ein solches Angebot so gefragt sein könnte. Vielleicht sind es bis zu einem gewissen Grad auch die „Folgen“ der Pandemie und der erzwungenen Isolation, als endlich Zeit war, alte Familienalben durchzustöbern und darüber nachzudenken, ob es möglich wäre, mehr über die eigenen Vorfahren zu erfahren.

Belarus war im Laufe seiner Geschichte mehrfach zwischen verschiedenen Ländern aufgeteilt, sein Territorium Gegenstand von zahlreichen Migrationsbewegungen und Kriegen. Kein Land der ehemaligen Sowjetunion litt so sehr unter Zwangsvertreibungen und Krieg wie Belarus. Diese tragischen Momente in der Geschichte von Belarus zwangen viele Bewohner, ihre Heimat zu verlassen.

Aus diesen Gründen schreiben uns Menschen aus fast allen Teilen der Welt, die nach Ihren in Europa versprengten Vorfahren suchen. Die meisten Anfragen kommen interessanterweise aus den USA und Australien.

Natürlich ist die Suche nach genealogischen Informationen nicht einfach, und so gerne wir allen, die sich an uns wenden, helfen würden..manchmal können wir nur feststellen, dass beispielsweise Akten während des Krieges verloren gegangen sind oder zerstört wurden und in den Archiven nichts mehr auffindbar ist. Wenn die Suche allerdings erfolgreich ist, freuen wir uns wirklich sehr mit unseren Kunden. Viele planen im Anschluss an die erfolgreiche Suche die Heimat ihrer Vorfahren zu besuchen. Und dies ist eine weitere spannende Herausforderung für uns, maßgeschneiderte Reiseprogramme zu entwickeln, so dass nicht nur eine Verbindung zu Land und Leuten entsteht, sondern wirklich ein Kontakt mit der Vergangenheit, eine Gelegenheit, die Identität der Region zu spüren, zu verstehen, wo die jeweiligen Vorfahren einst lebten.

Genealogische Forschung ist ein sehr persönliches Thema, deshalb können wir in diesem Zusammenhang keine konkreten Fälle vorstellen, aber wenn einer unserer Kunden den Wunsch hat, seine Geschichte zu teilen, werden wir sie auf jeden Fall auf unserer Website veröffentlichen.

Bitte zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren, wenn Sie genealogische oder andere Fragen haben, die sich auf Belarus beziehen.

08/12/2020